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Lothar Pikulik
Natur und die westliche Zivilisation
Literarische Kritik und Kompensation einer Entfremdung.

2016, 244 S.
ISBN: 978-3-487-15418-3
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978-3-487-42179-7
 

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Auch als E-Book erhältlich: 978-3-487-42179-7 (€ 29,99)

Der Prozess der westlichen Zivilisation vollzieht sich im Zeichen einer wachsenden Entfremdung von der Natur. Voll ins Bewusstsein tritt dieser Vorgang zum ersten Mal im Zeitalter der Aufklärung, wo Schriftsteller wie Rousseau und Schiller den so entstehenden Zwiespalt registrieren und kritisch kommentieren. Symptom der Krise ist paradoxerweise eine poetische Naturschwärmerei, die ihren Gegenstand umso sehnsüchtiger umwirbt, als er ihr innerlich fern und fremd bleibt. Von Schiller stammt die Aussage, dass unser Gefühl für Natur der Empfindung des Kranken für die Gesundheit gleiche.

Kompensiert also Natur im literarischen Text ihren Mangel im realen Leben, beschränkt sich die Darstellung freilich nicht auf die äußere und sichtbare Welt. Wenn Zivilisation ein Tagesgeschehen ist, erstreckt sich Natur auch auf die Nachtseite des Lebens, auf die hier schlummernden, tief verborgenen Kräfte besonders der Psyche. In Magie und Mythos macht sich ihr Widerstand gegen rationalistische „Entzauberung“ (Max Weber) geltend, in Sexualität, Revolte und Krieg ihr Aufruhr gegen Unterdrückung und Stillstand.

Widerstand gegen Zivilisation erfolgt im deutschen Sprachraum im Namen von „Kultur“. So problematisch jene Rückwendung zumal zu Eros und Gewalt ist, assoziiert sich das Streben nach Natur seit dem 18. Jahrhundert doch mit einer Konzeption kultureller Bestätigung, die im selben Maße ästhetisch verstanden und bewertet wird, wie zivilisatorisches Handeln auf den Begriff von Handwerk und Technik, Nutzen und Gewinn, Staat und Gesellschaft reduziert wird. Auch die moderne Spaltung in Geistes- und Naturwissenschaften ist weitgehend kompatibel mit dieser Dichotomie, sie geht im Grunde auf sie zurück.

Lothar Pikulik, geb. 1936, war von 1973 bis zu seiner Emeritierung Professor für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Trier. Autor zahlreicher Monographien und Aufsätze zur Literatur und Geistesgeschichte des 18. Jahrhunderts, zur Klassik, Romantik und Moderne sowie zur Form und Theorie von Drama und Theater. Im Georg Olms Verlag sind erschienen: Schiller und das Theater (2007), Thomas Mann und der Faschismus (2012), Ästhetik des Interessanten (2014) und Erkundungen des Unbekannten (2015).