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Wolfgang Grandjean
Orgel und Oper. Georges Schmitt 1821-1900
Ein deutsch-französischer Musiker in Paris. Biographie und Werk mit einem Werkverzeichnis.

2015, 544 S., mit 30 Abb., zahlreichen Notenbeispielen sowie einer Notenbeilage aus "Armide et Renaud"., Hardcover
Reihe: Musikwissenschaftliche Publikationen, 43
ISBN: 978-3-487-15181-6
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Beschreibung
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"Das tragische Moment des Musikers, gleichzeitig aber auch dessen posthume Bedeutung als Herausgeber und Musikjournalist, liegen (…) in dem Grenzgängerdasein, das ihn als zwischen deutscher und französischer Musikkultur oszillierenden Zeitzeugen in einzigartigem Licht erscheinen lässt. Der Autor untersucht diese zwiespältige Lebenssituation mit viel Feingefühl und angenehm kritischer Distanz. Zahlreiche zweisprachige Zitate machen das Buch zu einem wertvollen Kompendium für Liebhaber, die sich mit der französischen Musikkultur im Paris des 19. Jahrhunderts auseinandersetzen möchten. Im Anhang befindet sich ein detailliertes Werkverzeichnis." (Helga Schauerte-Maubouet, Musik & Kirche, Nov./Dez. 2015)

"In Deutschland war er lange als Schöpfer des 'Rheins' und des 'Mosel-Lieds' populär, bis ihn, anknüpfend an neuere Bemühungen, diese umfassende Monografie nun als einen Bedeutenden 'auf der Ebene unterhalb der großen Meister' würdigt. Zugleich bietet Grandjean ein lebendiges Bild des Pariser Musiklebens in einer spannenden Epoche; vor allem der Orgelkunst." (hg, Musica Sacra 2/2016)

"Die große Stärke des Buches besteht in der musikalischen Analyse. Höhepunkte sind Grandjeans federleichte Verbalisierungen musikalischer Sachverhalte." (Heinrich Aerni, Die Musikforschung 69. Jg. 2016, Heft 4)

Georg bzw. Georges Schmitt (1821-1900) ist ein ›Grenzgänger‹ zwischen deutscher und französischer Musik. Als Organist und Reformer der Kirchenmusik lässt er sich unter dem Aspekt des »Kulturtransfers« als Vermittler im deutsch-französischen Kulturfeld betrachten. In Trier geboren und als musikalische Frühbegabung mit 14 Jahren bereits Domorganist in Trier, wanderte er 1844 nach Paris aus, wo er mehr als ein halbes Jahrhundert lang die Entwicklung der französischen Musik in einer ihrer dynamischsten Phasen erlebte.
Als Organist an der grandiosen Orgel von Saint-Sulpice gewann er eine prestigeträchtige Tribüne für sein Wirken in der Kirchenmusikreform. Er veröffentlichte das Roret-Handbuch L’Organiste praticien (1855) sowie die Anthologie Le Musée de l’organiste (1857/1858) und verfasste zahlreiche Zeitschriftenbeiträge. – Als Opernkomponist vermochte er jedoch nicht, trotz einiger Aufführungen an Pariser Theatern, sich durchzusetzen, ähnlich wenig mit seinen Chorsymphonien und Kantaten. (Seine »Symphonie dramatique« Le Sinaï wird nach 135 Jahren im September 2014 in Trier wieder aufgeführt.)
Die politischen und kulturellen Entwicklungen in Frankreich bilden sich in Höhen und Tiefen seiner künstlerischen Laufbahn ab. Nach 1871 wurde er zum Verlierer der Rückbesinnung der französischen Musik auf ihr nationales Erbe, und als »französischer Komponist« konnte er sich in Zeiten der »Erbfeindschaft« auch in Deutschland nicht mehr durchsetzen, wo man ihn in Trier auf den »Sänger des Moselliedes« reduzierte.
Das Leben von Georges Schmitt ist paradigmatisch für die Ebene der Musikkultur, die als ›Basis‹ zunehmend das Interesse der Historiographie findet.