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Peter Sühring
Gustav Jacobsthal - Ein Musikologe im deutschen Kaiserreich
Musik inmitten von Natur, Geschichte und Sprache. Eine ideen- und kulturgeschichtliche Biographie mit Dokumenten und Briefen.

2012, 753 S., Hardcover
ISBN: 978-3-487-14712-3
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Beschreibung
Fachgebiete

"(A) highly contextualized and meticulously researched study that in its scope goes well beyond the common approaches (…) (T)hose who seek to learn about Jacobsthal, the history of musicology as a discipline, and the history of ideas and of culture, will find in this volume a treaure trove worth exploring." (Tina Frühauf, Fontes Artis Musicae 61/1)

"Es ist erstaunlich, dass die Musikwissenschaft Leben und Werk Jacobsthals lange übergangen hat. Sühring holt das Versäumte nach. Zwar distanziert er sich vom Typus der 'Heldengeschichte'; das Buch, das er geschrieben hat, wirbt aber in leisen Tönen für seinen allzu lange übersehenen Protagonisten (…) Damit formuliert Sühring zugleich einen Anspruch an seine eigene Arbeit, dem er vollauf gerecht wird; seine Jacobsthal-Biographie ist außerordentlich facettenreich. Jeder Musikbibliothek ist sie zu empfehlen." (Dietmar Schnek, Forum Musikbibliothek 34. Jg., Heft 3/2013)

"Mit vorliegender Veröffentlichung gibt es nun endlich auch eine akribisch recherchierte, umfangreich dokumentierte und kenntnisreich kommentierte Biografie dieses so lange von den Nachgeborenen ignorierten Musikologen im deutschen Kaiserreich (…) Absolut bereichernd ist Sührings Methode, Studien und Denkanstöße anderer Autoren, z. B. von Eduard Hanslick, Carl Stumpf, Max Weber oder immer wieder von Heinrich Bellermann, aber auch von Johann Wolfgang von Goethe oder Friedrich Nietzsche einzubeziehen (…) Der so lange vergessene Gustav Jacobsthal hat durch diese Biografie wieder eine Stimme bekommen (…)" (Ingeborg Allihn, info-netz-musik.bplaced.net)

"Sührings Biographie ist in ihrem außerordentlichen Niveau, der quellenkritischen Akribie und der geschichtsphilosophischen Reflektiertheit auch deswegen so hervorragend, weil sie von der Musik her, verstanden als Teil humanistischer Bildungsgrundlagen, nicht nur zeigt, was gesellschaftspolitisch schon einmal möglich war, sondern unbeirrbar auf eben diesen Grundlagen, wie sie sich nahezu ausnahmslos in den Berufsbildern und Lebenswegen solcher Familien wie der Jacobsthals niederschlugen, einen Anspruch an Musik bzw. Musikwissenschaft wie auch an andere Profession und Wissenschaft aufrecht erhält, der gesellschaftspolitischen Fortschritt weiterhin ermöglicht, auch wenn er durch nationalsozialistische 'Bildungsreformen', mit denen sich alle späteren 'Bildungsreformen' zumindest in ihrer Gegnerschaft zu humanistischen Bildungsgrundlagen einig waren, vorerst abgewürgt wurden." (Albrecht von Massow, Die Tonkunst, Heft IV/2013)

Diese erste Biographie Gustav Jacobsthals (1845–1912), eines der Begründer der neueren Musikwissenschaft, ist ideen- und kulturgeschichtlich orientiert. Die Darstellung basiert auf bisher nicht erschlossenen Quellen, so u. a. auf Briefen Jacobsthals und den Lebenserinnerungen seines Sohnes Erwin Jacobsthal.
Leben und Wirken des Musikwissenschaftlers, Chorleiters und Komponisten werden erhellt im Umfeld der jüdischen Familie, der akademischen Institutionen in Berlin vor und nach der Reichsgründung, der „Berliner Schule der Musikwissenschaft“, der Verhältnisse an den Universitäten in Wien und besonders Straßburg. Die Verbindungen zu akademischen Kollegen, Freunden und Schülern, wie Heinrich Bellermann, Wilhelm Scherer, Albert Schweitzer u.a. erhalten ihre Gewichtung.
Im zweiten Teil der Biographie wird Jacobsthals Haltung als Forscher, nämlich die Aktualität seiner empirischen und skeptischen Methode für eine moderne Musikwissenschaft beschrieben. Jacobsthal sah sich der Pluralität der Geisteswissenschaften seiner Zeit verpflichtet und nahm Anregungen von Philipp Jaffé, Hermann Graßmann, Carl Stumpf u.a. auf.

Gustav Jacobsthal ging zwischen den widersprüchlichen Traditionen der Berliner Vokalschule, des Judentums, des Kulturprotestantismus, der katholischen Choralrestauration, des Klassizismus und der ihm nachfolgenden, sich fälschlicherweise auf ihn berufenden Schule einen eigenständigen Weg.

Der Autor: Peter Sühring, geb. 1946 in Berlin, studierte Musik- und Literaturwissenschaft sowie Philosophie in Tübingen und Berlin. Er publizierte mit Bezug auf Jacobsthals Nachlass Studien zum Rhythmus der Trobadors (2003) und zu Mozarts frühesten Opern (2006) und edierte zwischen 2001 und 2010 Teile aus Jacobsthals Nachlass, zuletzt aus dessen Straßburger Vorlesungsskizzen und Studien (2010). Er lebt als Musikhistoriker und -schriftsteller in Berlin.