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Jörg Katerndahl
"Bildnerei von Schizophrenen"
Zur Problematik der Beziehungssetzung von Psyche und Kunst im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts.

2005, 288 S., mit 44 s/w und 16 farbigen Abb.
Reihe: Studien zur Kunstgeschichte, 167
ISBN: 978-3-487-13054-5
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Beschreibung
Fachgebiete

Bildwerke von psychisch Kranken haben seit dem Ende des neunzehnten Jahrhunderts in der medizinischen und kunstwissenschaftlichen Literatur vielfältige Beachtung gefunden. Das psychiatrische Interesse an Bildern – insbesondere von Schizophrenen – war dabei vorwiegend auf differentialdiagnostische Fragestellungen gerichtet: Anhand bestimmter „Gestaltungsmerkmale“ der Bilder wurde versucht den jeweiligen Krankheitsverlauf nachzuweisen. In der Kunstgeschichte ist der Vergleich mit scheinbar typisch schizophrenen Bildwerken in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg häufig zu einem Instrument der Diffamierung geworden. Im Nationalsozialismus wurde die Gegenüberstellung von „gesunder“ und „kranker“ Kunstproduktion schließlich ideologisch funktionalisiert.
Der in der vorliegenden Arbeit verfolgte rezeptionsgeschichtliche Ansatz liefert Belege für die These, dass eine allgemeine Theorie der „Bildnerei von Schizophrenen“ nur als Konstrukt in der Auswahl einzelner Werke durch den Betrachter existiert. Als bildnerisch Tätiger ist auch der Schizophrene ein Gesunder, seine künstlerischen Arbeiten sind Resultate einer bewussten Gestaltungstätigkeit. Im Zentrum der Untersuchung stehen die prägenden Schriften von Fritz Mohr, Walter Morgenthaler und Hans Prinzhorn sowie die frühen Rezeptionen der Werke von Conrad Felixmüller, Vincent van Gogh, August Strindberg, Richard Huelsenbeck und Karl Junker.

"Wie anregend die Auseinandersetzung mit der bildnerischen Sprache, mit der Kunst als Spiegel seelischer Befindlichkeit ist, zeigt die Publikation Jörg Katerndahls. Der Autor setzt sich mit der Rezeptionsgeschichte der "Bildnerei von Schizophrenen" auseinander und verdeutlicht die Auswahlkriterien, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu dem Konstrukt "Kunst von Geisteskranken" geführt haben. Die Lektüre leistet aber mehr als eine Einführung in ein spannendes Forschungsfeld zur Kreativität schizophrener Patienten, zu deren Rezeption sowie zur Pathologisierung nicht kranker Künstler vor dem Hintergrund der Ausgrenzung. Darüber hinausgehend enthält sie Fragen nach Gestaltungsprinzipien, nach dem Verhältnis von Bild und Schrift, nach der Bedeutung von Kritzeln als unbestimmte und unheimliche Ausdrucksform - Aspekte, die bei allen künstlerischen Prozessen eine Rolle spielen." (Sabina Leßmann, Kunstmuseum Bonn, 43. Jg. 1/2007)